HISTOREE  

Ein schlauer Mensch hat einmal gesagt: Musiker wird man nicht, man ist es. Würde man die Mitglieder der Traceelords getrennt voneinander nach ihrer Motivation befragen, man bekäme übereinstimmende Antworten und hätte hinterher das Gefühl, eine vierköpfige Familie um die Gründe für ihre Existenzberechtigung und Funktionsfähigkeit gebeten zu haben. Denn eigentlich ist eine Rockband nichts anderes als eine Familie; wie man aus der Geschichte weiß, geben sich manche von ihnen sogar denselben Nachnamen.


The Traceelords haben das nicht nötig, sie sind Brüder im Geiste. Und weil Hagen nicht nur außerhalb Nordrhein-Westfalens noch als Teil des Ruhrgebiets durchgeht, weiß das Quartett von Geburt an, wie man Bodenständigkeit und Zusammenhalt buchstabiert. Anders wäre es auch nicht zu erklären, dass ihr drittes Album ausgerechnet den Titel “The Ali Of Rock” trägt. Immer wieder aufstehen...
The Traceelords haben ihre Erfahrungen gemacht. Natürlich nicht nur positive. Viel gelernt hat man aus Tourneen und Konzerten mit Whitesnake, Alice Cooper, J.B.O. und Dirty Americans, genauso geärgert hat man sich u.a. über die in Deutschland weit verbreitete Meinung, solider Rock’n’Roll dürfe eigentlich nur aus Übersee kommen. Oder vielleicht noch aus Skandinavien. Aber aus Hagen? Und dann noch mit einem ehemaligen Gitarristen der Ruhrpott-Thrash-Legende Sodom?


“The Ali Of Rock” vervollständigt eine Trilogie: Auf ihrem Debüt “Sex, Money, Rock’n’Roll!” (2001) vertonten The Traceelords den Albumtitel, scheuten sich aber auch keine Experimente (“Daddy Cool”); die sich auf “Refuse To Kiss Ass” (2004) fortsetzten: die Haare kürzer, aber Songs und Texte konsequenter (“People My Age”).


Das Jahr 2006, Album Nummer 3: wieder selbst geschrieben, selbst produziert und mit dem Gitarristen Christof Leim ein neues Familienmitglied an Bord. Wie es klingt? Die Zeit der Experimente ist nicht vorbei, im Gegenteil. Auf dem Erstling hieß es noch “Fucking Grow Up”, ein halbes Jahrzehnt später ist das Motto “Room For Improvement”. Aber keine Angst!The Traceelords machen aus ihrem Herzen keine Mördergrube, Spaß und Unterhaltung stehen immer noch im Vordergrund, schließlich ist der Bandname immer noch derselbe. Der Unterton ist weder melancholisch noch melodramatisch, denn die besten Geschichten schreibt das Leben selbst, der Opener “My Evil Girlfriend” muss nicht extra interpretiert werden, schon nach einmaligem Hören versteht man, warum The Traceelords eine Rockband sind, die von der ersten Sekunde an zu fesseln versteht.


Geradeaus, packend, und so gar nicht typisch deutsch rocken, rollen, stampfen und streicheln sie durch eine Platte, die mehr Höhen und Tiefen vorzuweisen hat als ihre Vorgänger. Liegt es am Alter der Band und seiner Mitglieder, am gewachsenen Selbstbewusstsein durch die vielen erfolgreichen Tourneen, simpel gesagt an der logischen musikalischen Evolution? Wahrscheinlich ist es vieles von allem.
Es sind übrigens die Zwischentöne dieses Albums, die aufhorchen lassen, es aber gleichzeitig abrunden: Bassist Slick übernimmt, wie auch manchmal auf der Bühne, bei zwei Songs (“Sliver Lining”, “Watch Me Run”) das Mikro von Sänger/Gitarrist Andy Brings, Schlagzeuger Haan Hartmanns Können beschränkt sich nicht nur auf den simplen 4/4-Takt...


Vierzehn Songs, eine Philosophie: Wir lassen uns nicht unterkriegen. Die Widrigkeiten des Lebens sind dazu da, um überwunden zu werden. Böse, wer jetzt laut ‘Phrase’ und/oder ‘Klischee’ schreit. Denn: Am Ende ist die Wiederholung die einzige Konstante im Leben. The Traceelords sind konstant. Und konsequent. Diese Mischung findet man nicht oft. Genauso selten ist es übrigens, dass sich die vier richtigen Musiker finden. Eine Band wird man nicht, man ist eine...

Jörg Staude (Visions/Galore)